Niemand spielt mit mir! – wenn dein Kind keinen Anschluss findet

Niemand spielt mit mir.
Wenn dein Kind diesen Satz sagt, kann das ganz schön treffen. Vielleicht siehst du in Gedanken dein Kind sofort allein auf dem Pausenplatz oder im Kindergarten stehen. Vielleicht machst du dir Sorgen, ob es Freunde hat, ausgeschlossen wird oder einfach keinen Anschluss findet.
Und natürlich solltest du solche Aussagen ernst nehmen.
Aber du musst nicht jedes „Niemand spielt mit mir“ sofort als Tatsache übernehmen.
Denn manchmal steckt hinter diesem Satz etwas anderes: Ein paar Kinder haben Nein gesagt – und für dein Kind fühlt es sich in diesem Moment an wie alle.
Erst das Gefühl ernst nehmen und dann die Lösung
Wenn dein Kind sagt: Niemand spielt mit mir, hilft ein schnelles,
ach, das stimmt doch gar nicht, meist wenig.
Für dein Kind kann sich die Situation in diesem Moment tatsächlich genau so anfühlen.
Du könntest stattdessen erst einmal sagen:
Das klingt, als hättest du dich heute ziemlich allein gefühlt.
Oder:
Du hättest heute gerne jemanden zum Spielen gehabt und das hat nicht geklappt.
Damit sagst du nicht, dass tatsächlich niemand mit deinem Kind spielen möchte. Du zeigst ihm aber: Ich höre dich. Ich nehme ernst, wie es dir gerade geht.
Ist da wirklich niemand, der spielen will?
Diese Situation erlebe ich in meinen Kindertrainings immer wieder.
Ein Kind erzählt mir:
„Niemand will mit mir spielen.“
Dann frage ich erst einmal:
„Bist du dir ganz sicher, dass niemand mit dir spielen will?“
„Ja. Niemand.“
„Okay. Mit wem wolltest du denn spielen?“
Und plötzlich kommen Namen.
„Mit Maya. Mit Lina. Mit Jonas.“
„Okay. Und die drei wollten heute nicht mit dir spielen?“
„Nein.“
Dann frage ich weiter:
„Wie viele Kinder seid ihr denn in eurer Klasse?“
„20.“
Und plötzlich sieht die Situation ein kleines bisschen anders aus.
Drei Kinder wollten gerade nicht mitspielen.
Das kann wehtun. Das kann enttäuschen.
Aber es sind eben drei Kinder von zwanzig – und nicht alle.
Mir geht es dabei nicht darum, dem Kind zu sagen: „Siehst du, dein Gefühl ist falsch.“
Ganz im Gegenteil.
Das Gefühl darf da sein. Gleichzeitig können wir gemeinsam schauen, ob das, was sich gerade wie eine Tatsache anfühlt, auch wirklich eine Tatsache ist.
Denn aus:
Niemand will mit mir spielen.
kann plötzlich werden:
Die drei wollten gerade nicht. Wen könnte ich noch fragen?
Und genau da passiert etwas Wichtiges: Das Kind bekommt Möglichkeiten, selbst etwas zu tun.
Was passiert nach dem ersten Nein?
Auch das erlebe ich in meinen Trainings immer wieder.
Ich mache mit den Kindern manchmal eine Übung, bei der es darum geht, auf andere zuzugehen und zu fragen, ob man mitspielen darf.
Ein Kind startet. Im Raum sind vielleicht sieben, acht oder neun andere Kinder.
Es geht zum ersten Kind:
„Kann ich mitspielen?“
„Nein.“
Und manchmal passiert schon jetzt etwas Spannendes:
Das Kind bleibt stehen und schaut mich an.
„Und was mache ich jetzt?“
Dabei stehen da noch sieben oder acht andere Kinder.
Und genau das ist der spannende Moment in der Übung.
Was machst du jetzt?
Gehst du zum nächsten Kind?
Sprichst du vielleicht jemanden an, den du sonst gar nicht gefragt hättest?
Manchmal kommt auch beim zweiten oder dritten Kind ein Nein.
Das ist natürlich enttäuschend. Aber das Kind erlebt gleichzeitig:
Nach einem Nein ist nicht Schluss. Ich habe noch andere, die ich fragen kann.
Und vielleicht sagen tatsächlich einmal alle Nein.
Auch das kann passieren.
Dann stelle ich im Training die Frage, kann man auch mal alleine spielen?
Aber manchmal steckt echte Ausgrenzung dahinter
Bei all dem gibt es einen wichtigen Unterschied.
Es ist etwas anderes, ob einzelne Kinder gelegentlich Nein sagen oder ob ein Kind über längere Zeit systematisch ausgeschlossen wird.
Wenn dein Kind immer wieder keinen Anschluss findet, andere Kinder sich gegen es verbünden, es bewusst nicht mitspielen lassen, auslachen oder gezielt ausschliessen, sollten wir nicht einfach sagen:
Dann frag halt jemand anderen.
Dann braucht dein Kind Unterstützung.
Hier sind auch die Erwachsenen gefragt: Eltern, Lehrpersonen, Betreuungspersonen oder andere Bezugspersonen.
Denn Kinder dürfen lernen, mit einem Nein umzugehen.
Dauerhafte Ausgrenzung müssen sie aber nicht alleine lösen.
Was kannst du deinem Kind mitgeben?
Wenn dein Kind zu dir kommt und sagt:
„Niemand spielt mit mir.“
musst du nicht sofort eine Lösung finden.
Hör erst einmal zu.
Und wenn dein Kind bereit ist, könnt ihr gemeinsam etwas überlegen.
Zum Beispiel:
ein anderes Kind fragen
jemanden ansprechen, mit dem es sonst nicht so oft spielt
selbst eine Spielidee vorschlagen
ein Kind ansprechen, das gerade auch alleine ist
nach einem Nein nicht sofort aufgeben
sich für einen Moment auch mal alleine beschäftigen
Du kannst mit deinem Kind solche Situationen auch zu Hause kurz durchspielen.
Was könntest du sagen, wenn du mitspielen möchtest?
Was könntest du machen, wenn jemand Nein sagt?
Wen könntest du stattdessen noch fragen?
So entstehen im Kopf deines Kindes Alternativen, bevor es das nächste Mal wirklich in dieser Situation steht.
Und wichtig:
Es geht nicht darum, dass dein Kind lernen muss, immer weiterzufragen, bis endlich jemand Ja sagt.
Es darf auch merken:
So entstehen im Kopf deines Kindes Alternativen, bevor es das nächste Mal wirklich in dieser Situation steht.
Und wichtig:
Es geht nicht darum, dass dein Kind lernen muss, immer weiterzufragen, bis endlich jemand Ja sagt.
Es darf auch merken:
Ich kann ein Nein aushalten.
Ich kann neu entscheiden.
Und ich kann mich auch selber beschäftigen.
Diese Erfahrung stärkt.
Denn aus
Niemand spielt mit mir.
kann nach und nach werden:
Heute hat es dort nicht geklappt. Aber ich habe noch andere Möglichkeiten.
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